• Alexander trifft Diogenes
  • anonym
  • 08.02.2026
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Die Be­geg­nung zwi­schen Alex­an­der dem Gro­ßen und Di­o­ge­nes von Si­no­pe: Eine Lek­ti­on in Weis­heit und Zu­frie­den­heit (Trans­kipt)



Als die ma­ke­do­ni­sche Armee die Stadt Ko­rinth ein­nahm, er­fuhr der Junge ma­ke­do­ni­sche Prinz Alex­an­der, der von dem be­rühm­ten Phi­lo­so­phen Aris­to­te­les aus­ge­bil­det wurde, dass der be­rühm­te Den­ker Di­o­ge­nes von Si­no­pe in der Stadt lebte. Schon als klei­ner Junge war Alex­an­der von den Ge­schich­ten be­geis­tert, die Aris­to­te­les über Di­o­ge­nes den Ky­ni­ger er­zähl­te.

Der ex­zen­tri­sche Den­ker lebte in völ­li­ger Ent­halt­sam­keit und Los­ge­löst­heit von ma­te­ri­el­len Be­sitz­tü­mern. Er war ob­dach­los und schlief in einem Fass es wurde ge­mun­kelt, dass er auch eine Ka­le­bas­se besaß, aus der er Was­ser trank. Als je­doch ein Kind sah, das mit den Hän­den Was­ser trank, er­kann­te er, dass selbst das un­nö­tig war. Laut Di­o­ge­nes leb­ten die Men­schen künst­lich, das sie vom wah­ren Glück ab­hielt. Er ver­brach­te seine Tage auf der Suche nach einem ehr­li­chen Mann ohne je­mals ein­zu­fin­den, den er für le­gi­tim hielt.

Eines Tages be­gann Di­o­ge­nes sich in der Öf­fent­lich­keit zu ent­lee­ren. Als er ge­schol­ten wurde, sagte er, dass es kei­nen Grund gebe, sich für etwas zu schä­men, das für jeden Men­schen ganz na­tür­lich sei. Des­halb er­hielt er den Spitz­na­men Ky­ni­ker, der vom grie­chi­schen Wort kynon ab­ge­lei­tet ist, was Hund be­deu­tet. Schließ­lich lebte der Phi­lo­soph auch wie ein sol­cher.

Als Alex­an­der er­fuhr, dass Di­o­ge­nes in der Nähe war, bat er darum, zu ihm ge­bracht zu wer­den. Auf dem Weg dort­hin sagte einer sei­ner Män­ner zu Alex­an­der:“ Herr er ist ein Wahn­sin­ni­ger.“

Als Phil­ips Armee sich der Stadt nä­her­te bevor die Grie­chen ka­pi­tu­lier­ten, rann­te die ge­sam­te Be­völ­ke­rung zu Hilfe. Als Di­o­ge­nes dies sah, be­gann er wie der le­gen­dä­re Si­sy­phus sein Fass einen Hügel hin­auf­zu­rol­len, und als er den Gip­fel er­reicht hatte ließ es wie­der hin­un­ter­rol­len und be­gann von vorne. Auf die Frage, warum er dies tue, ant­wor­te­te er, dass es ihm pein­lich sei, alle her­um­zu­lau­fen zu sehen, und er be­schloss, dass er etwas da­ge­gen tun soll­te.

Alex­an­der fand Di­o­ge­nes auf dem Rü­cken lie­gend und in der Sonne vor. Der ma­ke­do­ni­sche Prinz stell­te sich vor ihn und sagte:“ Ich bin Alex­an­der, Erbe von Ma­ke­do­ni­en und Held der Schlacht von Ca­ri­o­na! Wei­ser Di­o­ge­nes, du kannst mich um alles bit­ten, was du willst, und wenn es in mei­ner Macht steht, werde ich es dir gerne geben.“ „Ah Alex­an­der, du siehst fast aus wie der leib­haf­ti­ge Apol­lo. Kannst du mir als Son­nen­gott das Licht der Sonne geben?“ „Es tut mir leid aber das kann ich nicht.“ „Dann geh mir aus dem Weg, denn du wirfst einen Schat­ten!“

Alex­an­der ging mit ra­sen­dem Ver­stand und sein gan­zes Ge­fol­ge konn­te sich das La­chen nicht ver­knei­fen. Alex­an­der blick­te zu­rück und be­wun­der­te die Zu­frie­den­heit des wei­sen alten Man­nes, der in der Sonne ba­de­te. Einer von Alex­an­ders Freun­den sagte zu ihm:“ Die­ser Di­o­ge­nes hat wirk­lich kei­nen kla­ren Kopf, oder?“ Alex­an­der ant­wor­te­te:“ Wenn ich nicht Alex­an­der wäre, würde ich Di­o­ge­nes sein wol­len!“

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