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  • 01.09.2022
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Deutsche Sage

Die Sage von der Sibylle von der Teck

Tief unten im Sibyllenloch am Fuß des Teckfelsens hauste Sibylle. Sie war eine schöne und weise Frau, die den Menschen im Tal viel Gutes tat. Keiner, der in Not war, stieg vergeblich den steilen Weg zu ihrem unterirdischen Schloss hinauf.

Die drei Söhne der Sibylle waren aber von anderem Schlag. Unhold, Raufbold und Saufbold waren üble Burschen, die es nicht lange bei ihrer Mutter aushielten, und so bauten sie ihre eigenen Burgen. Der erste baute seine Burg auf dem Rauber, der Zweite auf dem Wielandstein und der dritte baute die Diepoldsburg.

Von diesen Felsnestern aus plagten sie die Bauern und plünderten die Kaufleute und ihre Wagenzüge aus. Aus Kummer über ihre mißratenen Söhne beschloss Sibylle, ihr unterirdisches Schloss und das Land zu verlassen. Auf einem goldenen Wagen, der von zwei riesigen Katzen gezogen wurde, fuhr sie eines Abends talabwärts durch die Lüfte und wurde nie wieder gesehen. Jedes Jahr, wenn die Ackerfrüchte zu reifen beginnen, kann man den Weg verfolgen, den sie genommen hat. Die Spur ihres Wagens ist deutlich zu sehen. Die Wiesen sind dort grüner, das Korn trägt größere Ähren und Äpfel, Birnen und Kirschen sind saftiger und süßer. Die Spur ihres Wagens nennt man heute noch die "Sibyllenspur."



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