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  • 31.03.2022
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Griechische Mythologie

Herakles – Die ersten zwei Arbeiten

Herakles war der Sohn des Zeus und der thebanischen Fürstin Alkmene. Aber Zeus’ göttliche Gemahlin Hera hasste den Knaben wie alle Kinder des Zeus, deren Mutter sie nicht selbst war. Kaum war das Kind acht Monate alt, da schickte sie schon zwei giftige Schlangen an seine Wiege. Aber der Knabe streckte die Händchen aus und erdrückte beide. Als rüstiger Jüngling wuchs er heran, und als in einem Kriege Amphitryon erschlagen wurde, rächte ihn der achtzehnjährige Sohn und besiegte die Feinde, sodass die Thebaner ihn zum Herrscher wählten. Aber nach einigen Jahren, als er schon vermählt und Vater von drei Söhnen war, überfiel ihn ein plötzlicher Wahnsinn, und er erschlug die eigenen Kinder. Als er wieder zur Besinnung kam, ging er verzweifelnd zum Orakel nach Delphi und bat Apoll, seine Strafe zu bestimmen. Der Gott befahl ihm, zu Eurystheus nach Tiryns zu gehen und ihm zwölf Jahre lang dienstbar zu sein.

Eurystheus fürchtete sich vor dem riesenstarken Diener und wäre ihn gern losgeworden. Deshalb gab er ihm die gefährlichsten Arbeiten auf und hoffte, er werde einmal gar nicht zurückkommen. Der erste Auftrag war, den ungeheuren nemeischen Löwen zu töten. Der Löwe hauste bei Nemea und nahm die Herden der Landleute fürchterlich mit. Niemand traute sich mehr, nach seinen Feldfrüchten zu sehen, aus Furcht, ihm zu begegnen.

Herakles zog gegen den Löwen aus, den Köcher auf dem Rücken, in der einen Hand den Bogen, in der andern eine Keule aus dem Stamm eines wilden Ölbaumes, den er selbst auf dem Helikon angetroffen und mitsamt den Wurzeln ausgerissen hatte.

Als er nach einigen Tagen in den Wald von Nemea kam, ließ Herakles seine Augen nach allen Seiten schweifen, um das reißende Tier zu entdecken, ehe er von ihm erblickt würde. Es war Mittag und nirgends konnte er die Spur des Löwen bemerken, nirgends den Pfad zu seinem Lager erkunden, denn keinen Menschen traf er [...]; alle hielt die Furcht in ihren fernen Gehöften verschlossen. [...]

Endlich gegen Abend kam der Löwe auf einem Waldwege gelaufen, um vom Fang in seinen Erdspalt zurückzukehren; er war von Fleisch und Blut gesättigt, Kopf, Mähne und Brust troffen von Mord, mit der Zunge leckte er sich das Maul. Der Held, der ihn von ferne kommen sah, rettete sich in einen dichten Waldbusch, wartete, bis der Löwe näher kam, und schoss ihm dann einen Pfeil in die Flanken zwischen Rippen und Hüfte. Aber das Geschoss drang nicht ins Fleisch, es prallte wie von einem Steine ab und flog zurück auf den moosigen Waldboden. Das Tier hob seinen zur Erde gekehrten blutigen Kopf empor, ließ die Augen forschend nach allen Seiten rollen und im aufgesperrten Rachen die entsetzlichen Zähne sehen. So streckte er dem Halbgott die Brust entgegen und dieser sandte schnell einen zweiten Pfeil ab, um ihn mitten in den Sitz des Atems zu treffen; aber auch diesmal drang das Geschoss nicht bis unter die Haut, sondern prallte von der Brust ab und fiel zu Füßen des Ungetüms nieder. Herakles griff eben zum dritten Pfeile, als der Löwe, die Augen seitwärts drehend, ihn erblickte; er zog seinen langen Schweif an sich bis zu den hinteren Kniekehlen, sein ganzer Nacken schwoll von Zorn auf, unter Murren sträubte sich seine Mähne, sein Rücken wurde krumm wie ein Bogen und mit einem Sprung ging er auf seinen Feind los. Herakles aber warf seine Pfeile aus der Hand und seine eigene Löwenhaut vom Rücken, mit der Rechten schwang er über dem Haupte des Tieres die Keule und versetzte ihm einen Schlag auf den Nacken, dass es mitten im Sprunge wieder zu Boden stürzte und auf die zitternden Füße zu stehen kam. Ehe es wieder aufatmen konnte, kam ihm Herakles zuvor: Er warf auch noch Bogen und Köcher zu Boden, um ganz ungehindert zu sein, nahte dem Untier von hinten, schlang die Arme um seinen Nacken und schnürte ihm die Kehle zu, bis es erstickte. Lange suchte er vergebens, die Haut des Gefallenen abzuweiden, sie wich keinem Eisen, keinem Stein.

Endlich kam ihm in den Sinn, sie mit den Klauen des Tieres selbst abzuziehen, was auch sogleich gelang. Später verfertigte er sich aus diesem herrlichen Löwenfell einen Panzer und aus dem Rachen einen neuen Helm. Für jetzt aber nahm er Kleid und Waffen, in denen er gekommen war, wieder zu sich und machte sich, das Fell des Nemeischen Löwen über den Arm gehängt, auf den Rückweg nach Tiryns. [...]

Die zweite Arbeit des Helden war, die Hydra zu erlegen, die ebenfalls eine Tochter des Typhon und der Echidna war. Diese, zu Argolis im Sumpfe von Lerna aufgewachsen, kam aufs Land heraus, zerriss die Herden und verwüstete das Feld. Die Hydra war unmäßig groß, eine Schlange mit neun Häuptern, von denen acht sterblich, das in der Mitte stehende aber unsterblich war. Herakles ging auch diesem Kampf mutig entgegen und bestieg sofort einen Wagen. Sein geliebter Neffe Jolaos, der Sohn seines Stiefbruders Iphikles, der lange Zeit sein unzertrennlicher Gefährte blieb, setzte sich als Rosselenker ihm an die Seite und so ging es im Fluge Lerna zu. Endlich wurde die Hydra auf einem Hügel sichtbar, wo sich ihre Höhle befand. Hier ließ Jolaos die Pferde halten. Herakles sprang vom Wagen und zwang durch Schüsse mit brennenden Pfeilen die vielköpfige Schlange, ihren Schlupfwinkel zu verlassen. Sie kam zischend hervor und ihre neun Hälse schwankten emporgerichtet auf dem Leibe wie die Äste eines Baumes im Sturm. Herakles ging ihr unerschrocken entgegen, packte sie kräftig und hielt sie fest. Sie aber umschlang einen seiner Füße, ohne sich auf weitere Gegenwehr einzulassen. Nun fing er an, mit seiner Keule ihr die Köpfe zu zerschmettern. Aber er konnte nicht zum Ziele kommen. War ein Haupt zerschlagen, so wuchsen deren zwei hervor. Zugleich kam der Hydra ein Riesenkrebs zur Hilfe, der den Helden empfindlich in den Fuß kniff. Den tötete er jedoch mit seiner Keule und rief dann den Jolaos zur Hilfe. Dieser hatte schon eine Fackel gerüstet, zündete damit einen Teil des nahen Waldes an und mit den Bränden überfuhr er die neu wachsenden Häupter der Schlange bei ihrem ersten Emporkeimen und hinderte sie so, hervor zu treiben. Auf diese Weise wurde der Held der emporwachsenden Köpfe Meister und schlug nun der Hydra auch das unsterbliche Haupt ab; dieses begrub er am Wege und wälzte einen schweren Stein darüber. Den Rumpf der Hydra spaltete er in zwei Teile, seine Pfeile aber tauchte er in ihr giftiges Blut. Seitdem schlug des Helden Geschoss unheilbare Wunden.